Domaine Cathiard & Fils, Vosne-Romanée

- Domänendirektimport seit Jg. 1995, Exklusivimport in Deutschland -

"Der Schlüssel zur Erzeugung großen Weins liegt im Weinberg."

Sylvain Cathiard

Mit Odette u. Sylvain Cathiard (November 2011)
Mit Odette u. Sylvain Cathiard (November 2011)

Historie

1931 wird Alfred Cathiard (1901 - 1989), zuvor Sägewerksarbeiter, als Arbeiter bei DRC eingestellt, dann auf der Domaine Lamarche. Cathiard erhält 1941 das Angebot einer métayage (Pachtsystem, bei dem der Pächter die Hälfte der Frucht der Parzelle, die er bearbeitet hat, behält) der Domaine Moillard. Nach und nach werden die Cathiards (Alfred ist mit Eléonore Molinier verheiratet) Landeigentümer, gründen die Domaine Cathiard-Molinier, sich u.a. auf eine métayage mit der Familie Thomas in Nuits St. Georges stützend. Landerwerb, der schlicht vom Mund abgespart wurde. 1928 wird André Cathiard, der einzige Sohn Alfreds und Eléonores, geboren. 1941, mit 13 Jahren geht er, direkt nach Schulabschluß, in den Weinberg, die elterliche Domäne unterstützend bzw. métayer werdend.

Alfred, dann ab den 80er Jahren André, erweitern die Domäne nach und nach. Oft geht der Erwerb von Parzellen aus métayage hervor, z.B. am 03.09.87, als vier Ouvrées Romanée St. Vivant an André Cathiard übergehen. Alfred Cathiard war hier métayer seit 1941 gewesen, André seit 1983. Die Witwe von André Galtié, Mitglied der Familie Thomas und Anteilseigner am Romanée St. Vivant verkaufte die Parzelle - der metayer hatte ein Erstrecht. Robert Arnoux, auch lange Zeit Pächter bei Galtié, konnte zum selben Zeitpunkt einen ähnlichen großen Teil der Grand Cru Lage erwerben. 1972 erwarb Cathiard die heutige Parzelle am Premier Crus Malconsorts.

André Cathiard beginnt, Teile der Ernte selbst auf die Flasche zu füllen - Alfred hatte an den Négoce verkauft - , sein Ansehen ist bereits groß, er verkauft z.B. den 1985er Jahrgang ans Restaurant Taillevent in Paris. 

Sylvain Cathiard (* 1953), der einzige Sohn Andrés, gewinnt erst 1994 Selbständigkeit, nachdem er 15 Jahre lang - unbezahlt - auf der elterlichen Domäne gearbeitet hatte. Burgund, nicht nur chez Cathiard, ist eine patriarchalische Gesellschaft - erst einmal nur als métayer der Weinberge seines Vaters läßt André seinen Sohn Eigenständigkeit gewinnen - Cathiard jr. muß sich mit Cathiard sr. die Frucht teilen. André Cathiard läßt noch nicht los...Und Sylvain Cathiards Situation wird nicht idyllischer durch den Umstand, daß seine drei Schwestern auf ihren Anteil an der Domäne verzichten und Sylvain deren Anteile über Jahre zurückkaufen muß, will er die Integrität der von Alfred und André hart erarbeiteten Domäne bewahren.

Sylvain Cathiard, der am lycée viticole in Beaune Önologie studiert hat, ist derjenige, der diese 4,25 ha Domäne zu eine der allerersten Domänen Burgunds gemacht hat. Als wir Anfang der 90er Jahre hier erstmals verkosten, wird uns unmittelbar an einigen Beispielen wie dem 91er Malconsorts klar, wie sehr es auf die Arbeit des Winzers ankommt. Ähnliches hatten wir bis dahin nur mit den Weinen Henri Jayers erlebt. Vor 1998, dem Jahr in dem sich Sylvain das Equipment im Keller verschaffen konnte, das man für einen erstklassigen Wein braucht, gab es hier manche Variabilität, 1998 war dann der Wendepunkt.

Sylvain Cathiard ("Ich bin überrascht, so berühmt geworden zu sein"), ein "modellhafter Winzer" (Francois Bazin) zeichnete mit 2010 seinen letzten Jahrgang. Mit Weinen, die einen solchen Sinn für Harmonie verraten, daß sie ein schlagendes Zeugnis für die Größe der Terroirs und der Vitikultur sind, die Burgund besitzen kann.

Mit dem Jg. 2005 beginnt Sylvain und Odette Cathiards einziger Sohn Sébastien (* 1984) auf der Domaine zu arbeiten. Sébastien hat da bereits das lycée viticole in Beaune und Praktika in Chablis, im Bordealais und in Neuseeland hinter sich. 2011 ist dann der erste Jahrgang in voller Verantwortung durch Cathiard jr. - die Reputation der Domäne ist - zurecht - sogar noch weiter gestiegen.

Pinot-Reben im Romanée St. Vivant
Pinot-Reben im Romanée St. Vivant

Vitikultur

„Der Wein Burgunds kann in all seiner Perfektion allein durch eine intelligente Kultur, nur durch Sorgfalt erreicht werden, bei der nicht die Liebe zu schnellem Nutzen regiert. Was es braucht ist zugleich eine perfekte Kultur wie einen perfekten Boden.“ (Dr. Jules Lavalle, Histoire et Statistique de la vigne et des grands vins de la Côte d'Or, 1855)

Burgund, das ist der Vorrang des Bodens. Das ist das Wissen um die Unterschiede der Lagen und das ist nicht zuletzt das Bewußtsein, daß man stets zuerst ein guter Weinbergsarbeiter sein muß, bevor man überhaupt gut zu vinifizieren vermag. Cathiard, das ist eine Domäne, die in dieser Kultur des Bodens und der harten Weinbergsarbeit (14 Stundentage in der Saison) so sehr verwurzelt ist wie es eine burgundische Domäne überhaupt nur sein kann.

Ich lese einen Hinweis Neal Martins (Wine Advocate), nach der ein Besitz von solch schönen Premier Cru-Parzellen wie bei Cathiard "ein beachtliches Potenzial zur Erzeugung herausragenden Weins" bedeute. Anschaulicher kann man den allgemein verbreiteten Fehler nicht machen, Terroir und Winzer voneinander zu trennen, die Größe des Terroirs (viele Weintrinker nehmen falsch an, diese sei mit der Einstufung auf dem Etikett verbürgt!) als etwas Feststehend-Unabhängiges zu sehen, von der der Winzer dann profitiert. Wer pflanzt denn die Reben und wer wählt denn das Rebgut aus, Neal ? Wer führt denn die Reben und die Frucht zur Reife - die Rebe ist eine Schlingpflanze, die an sich schrankenlos produziert, ihr Ziel ist nicht, in Wein verwandelt zu werden! - , indem er per Rebschnitt, Behangausdünnung, Wachsamkeit ggü. Krankheiten und Bekämpfung von diesen, Wahl des Erntezeitpunkts und Art der Ernte dafür sorgt ? Wer entscheidet praktisch darüber, ob die Günstigkeit eines Bodens für die Rebe auch zum Tragen kommt, indem er Herbizide/Pestizide einsetzt oder eben nicht ? Und wer hat überhaupt ein Terroir identifiziert, wer hat also bemerkt, daß sich Besonderheiten der Natur auch in geschmacklich-gütemäßige Besonderheiten verwandeln, wenn er erst einmal die Rebkultur entwickelt hat ? Kurzum, Terroir von der Kulturarbeit des Winzers, der dies erst identifiziert und zu einem solchen macht (und das ausgerechnet hier bei Cathiards Besitz, der oft über Jahrzehnte von dieser Familie im wahrsten Sinne des Wortes kultiviert wurde) zu trennen - das ist bemerkenswert falsch. Ein Lavalle (s.o.), ein Jayer waren hier schon weiter...

Der Punkt ist in der Tat herauszuheben angesichts der immer wieder frappierend-unterschiedlichen Ergebnisse von ein- und demselben Terroir, aus ein- und derselben Saison. Ein einheitlicher Jahrgangscharakter ist eine intellektuelle Fiktion, anders gesagt, eine Erfindung. Und uns hat die Aufdeckung dessen, warum es zu solch mehr oder minder beachtlichen Differenzen der Güte regelmäßig kommt, schon immer am meisten interessiert.

Der Weinberg der Domaine ist zunächst nahezu ausnahmslos mit alten Reben bestückt, 40-70 Jahre alt sind die Reben, also in einem Alter, ab dem die Zisterziener eine Rebe erst qualitativ für interessant befanden...Aber auch über die Güte des Pflanzmaterials hätten sich die Mönche gefreut - in den vierziger und fünfziger Jahren setzte André Cathiard den 'wahren' Pinot, also Reben, die beständig kleinbeerige Frucht, von Haus aus geringe Erträge hervorbrachten. Man mag sich wundern über die Konstanz der Erntemengen bei Cathiard Jahr für Jahr - alte, wenig-produktive Reben arbeiten schlicht relativ unabhängig von der Saison. Diese Vorraussetzungen im Weinberg helfen nicht "wahrscheinlich" in Sachen Qualität, wie Weinjournalist Jamie Goodie formuliert, der zudem den Punkt der Güte des Pflanzmaterials ignoriert, sondern sie bilden das notwendige Fundament der Exzellenz chez Cathiard. Und Charles Taylor (The great domaines of burgundy, 2010) ist der Hinweis auf die geschilderten Rebverhältnisse bei Cathiard nur einen Halbsatz wert - welche Diskrepanz zu ihrer Bedeutung!

Sylvain Cathiard arbeitete nicht vollständig organisch, aber es gab keine Herbizide im Weinberg, die Böden wurden traditionell gepflügt. Sylvain behielt es sich vor, Pilzkrankheiten mit Fungiziden zu Leibe zu rücken. Sébastien zeichnet mit dem 2014er Jahrgang das erste Jahr komplett organischer Bewirtschaftung, der Test, den er beim Reignots zuvor seit 2011 gemacht hatte, war sehr zufriedenstellend verlaufen, wenn auch mit Mehrarbeit insbesondere in 2012/2013 verbunden. Sylvain war kein Freund sommerlicher Behangausdünnung gewesen, er hatte vielmehr vor der véraison im Frühjahr überflüssige Triebe herausgebrochen. Die Entfernung von Blättern, was Feuchtigkeitsnester entfernt, die Luft besser zirkulieren läßt und Pilzkrankheiten vorbeugt und darüber der Reife förderlich ist, wird seitens Sébastien nun Jahr für Jahr praktiziert.

Sébastien Cathiard
Sébastien Cathiard

Vinifikation und Ausbau

Die bestmögliche Frucht zu ernten ist das Ziel Sébastiens ebenso wie es jenes Sylvains war, was auch die Vinifikation sehr viel einfacher macht. Die Frucht wird hier komplett entrappt, doch einem der Effekte einer vendanges entières kommt man sehr nahe, denn chez Cathiard (wie auch bei Fourrier) steht zu Beginn der Vinifikation eine intrazelluläre Fermentation. Was die Säure reduziert und u.a die Aromatik kleiner roter Früchte hebt. Cathiard steht für eine langsame und lange Fermentation über ca. drei Wochen und für wenig Extraktion. Sébastien praktizierte z.B. in 2011 nur sieben pigeages über den gesamten Fermentationszeitraum. Sébastien achtet auch darauf, beim vin de presse, dem Wein aus den soliden Bestandteilen, vorsichtig zu pressen, so jede Bitterkeit vermeidend. Und in den vin de presse, der qualitativ sein muß, um überhaupt in den finalen Wein einzugehen, werden die gröberen Hefen nicht inkorporiert.

Die 2008 neu errichtete Cuverie bietet Sébastien perfekte Möglichkeiten der Vinifikation, kurz danach entstand zudem (endlich) ein schöner Gewölbekeller, in dem die Weine prächtig im Faß heranreifen. Der funktionale Keller zuvor stand stets im eigenartigen Kontrast zur Schönheit der Weine in den Fässern...

Sébastien (wie bereits zuvor Sylvain es tat) belassen die Weine über zwei Winter auf den eigenen natürlichen Hefen, es war immer wieder über all die Jahre verblüffend zu sehen, welche Vervollkomnung die Weine zwischen November und März erfuhren. Wer im November hier verkostet, kennt die Dimension dieser Weine vielleicht nur zu zwei Dritteln.

Neben dem vollständigen Übergang zu organischer Bewirtschaftung (Sébastien sucht keine Zertifizierung) ist die Reduzierung der Anteile neuen Holzes hier die zweite berichtenswerte Änderung gegenüber der Zeit, die Sylvain geprägt hat. Der Bourgogne rouge wurde schon immer ohne neues Holz ausgebaut, die Villages sehen nun 1/3 - 50%, die Premier/Grand Crus 60% bzw. leicht mehr für den Romanée St. Vivant. Und die Toastung ist nun weitestgehend die minimal mögliche.

Mit Sébastien Cathiard, 11/2015
Mit Sébastien Cathiard, 11/2015

Ausblick

Der Weinjournalismus hätte die Domäne selbst in den 90er Jahren wohl eher entdeckt, hätte Sylvain Cathiard mehr die Öffentlichkeit gesucht oder wäre er Teil einer Familie mit berühmtem Namen gewesen. Der Aufstieg dieser Domäne ist, zumindest eine gewisse Zeit lang, am Journalismus vorbei abgelaufen. Weinhandel und Passionierte, die einmal einen Wein Cathiards getrunken hatten, waren dann einfach nicht mehr zu bremsen. Der Name Cathiard wurde in Burgundkreisen immer höher gehandelt, der Journalismus nahm die Domäne dann schließlich in die Nomenklatur der großen Erzeuger Burgunds auf.

Heute zählen diese Weine zu den gesuchtesten Weinen nicht nur Burgunds und Geschäftsmänner des internationalen grauen Marktes verdienen sich manche Rolex mit gewaltigen Preisen (die der naive Teil des Weinpublikums dann der Domäne selbst zuschreibt) der Weine dieser Domäne, die man wie auch immer zusammengeklaubt hat. Cathiard ist, nicht erst aktuell, ein Erzeuger, der hinter keiner anderen Domäne Burgunds oder Frankreichs zurückstehen muß. Mit den leichten Umorientierungen durch Sébastien wird dies noch unverrückbarer so bleiben. Die 2014er etwa machen hier eher sprachlos vor vinophilem Glück.

August 2016

" Bereits unter Sylvain Cathiard erreichte diese Domäne eine Kultreputation, doch seit sein Sohn Sébastien vor ein paar Jahren die Verantwortung übernahm, wurden die Weine sogar noch besser."

Claude Kolm, The Fine Wine Review, 2016

" Die Weine der Domaine Sylvain Cathiard, die jetzt von Sylvains Sohn Sébastien geführt wird, sind zu den am allermeisten gesuchten Weinen in Burgund geworden...Cathiards Malconsorts ist die Quintessenz eines Burgunders."

Michael Apstein, Weinkolumnist (u.a. winereviewonline.com), 2015

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