Domaine Saumaize-Michelin, Vergisson

“Roger Saumaize, unterstützt von seiner Frau und nunmehr auch von seinem Sohn, drängt sich mehr und mehr als eine der Speerspitzen der Qualität im Mâconnais auf, was aus einigen Cuvées nicht mehr Alternativen sondern brillante Herausforderer der besten Crus der Côte d'Or macht...seine Arbeit führt zu Weinen, deren Energie die angeblich natürliche Energie der Lagen weit hinter sich läßt...die Domäne nimmt keine neuen Kunden mehr an, wünschen wir ihr sich zu vergrößern und den Weinliebhabern diese Weine zu finden. ”

Bettane/Desseauve, Le guide des vins, 2017

Christine und Roger Saumaize-Michelin
Christine und Roger Saumaize-Michelin

Historie

Roger Saumaize stammt aus einer Winzerfamilie des Mâconnais: "Als Junge verbrachte ich meine Tage im Weinberg, man langweilte sich zu Tode. Niemals Ferien, kein Kino, keine Freizeit. Mein Vater war einer der letzten Winzer, der noch per Pferd pflügte und wir hackten den Boden. Die Arbeit eines Galeerensklaven, auch wenn ich nicht wirklich unter ihr litt; so war es zu dieser Zeit."

1977, 20jährig, nach Ableistung seiner Militärzeit, erhält er von seinem Vater 4 ha Land in Pacht sowie die erforderlichen Hilfsmittel für die Arbeit, ein Start: "Ich war alleine, arbeitete wie ein Besessener. Ohne jemals herauszukommen, ein wahrer Hinterwäldler! Bis heute bleiben mir Wissenslücken wie der Umstand, kein Wort englisch sprechen zu können."

Sein Onkel, Pierre Saumaize, der eine Pflanzschule hat und Winzer ist, erweitert seinen Horizont: "Er baute seine Pouilly-Fuissés auf den Hefen aus im Faß aus. Sie hatten einen angenehmen Stoff, wie man ihn selten woanders fand. Er war auch Kaufmann, sprachgewandt. Die Leute kamen zu ihm um zu verkosten, aber auch um ihn sprechen zu hören, um zu lernen. Er hat mich geprägt." 

Roger lernt Jean-Marie Guffens kennen, den belgischen Courtier und antikonformistischen Winzer. Guffens verschafft ihm Kunden, öffnet ihm Horizonte, indem er ihm Weine anderer Weinregionen zu probieren gibt. Saumaize trifft Yves Hérody, einen der fähigsten Geologen:  "Mir fehlte der theoretische Schlüssel. Den hat mir Hérody gegeben. Bevor ich ihn traf, machte ich meine Weinbergsarbeit auf empirischer Basis. Mit ihm verstand ich, warum ich es tat, was das Terroir ausmacht und wie man es groß macht."  Schließlich ist es 2006 die Begegnung mit Pierre Masson, einem der herausragendsten Vertreter der Biodynamie, die Saumaize, der stets den Boden bearbeitet hatte, nie Herbizide anwandte, den Weg der Biodynamie einschlagen läßt.

Seit Ende der 70er Jahre haben Christine (geb. Michelin) und Roger Saumaize aus den ursprünglichen 4 ha Pacht eine Domäne von 9,5 ha gemacht. 1985 sieht die Entstehung der ersten 'Cuvée parcellaire', des Pouilly-Fuissé Clos sur la Roche.

Der Felsen von Vergisson
Der Felsen von Vergisson

Die Ambition der Domäne

"Nur unsere Ameisenarbeit im Weinberg erlaubt es uns, in unseren Weinen zum Ausdruck der Terroirs zu gelangen", notierte Roger einmal. Womit Anspruch und dafür notwendiges Level der Arbeit umrissen sind. Um das Potenzial der verschiedenen Lagen, ihre je differente Mineralität und Köstlichkeit der Frucht und des Stoffes, geht es Christine und Roger. Dazu ist die Purheit des Ausdrucks Vorraussetzung. Genießt man die Weine der Domäne, so liest und erfährt man die Unterschiede der Natur. Welche das geräumige Feld darstellt, in dem man seinen eigenen Geschmack entwickeln kann - so denn man dazu gewillt ist.

Vitikultur, Vinifikation und Ausbau der Weine

Mit der Zielsetzung, die natürlichen Unterschiede möglichst klar zum Ausdruck zu bringen, ist der Höchstanspruch an die eigene Arbeit von selbst gegeben. Zumindest wenn diese Ambition nicht simple Marketingphrase ist....

Im Weinberg wird jede nur erdenkliche Anstrengung unternommen – Entfernung überzähliger Trauben, Kappung unerwünschter Triebe, permanente Maßnahmen zur optimalen Belüftung und Sonneneinstrahlung. All diese Arbeit, die der Gewinnung optimal reifer und gesunder Trauben dient, ist manuell. Die Vitikultur des Terroirs vollzieht sich nicht nach industriellem Kosten-/Profitkalkül. Weshalb auch das aufwändige Pflügen des Bodens, das das Mikroleben des Bodens wie die Verschiedenartigkeit der Mikroflora stärkt, praktiziert wird. Mikroleben wie Diversität der Mikroflora sind schließlich Vorraussetzungen für die Erzeugung einer Traube von realer Qualität. Gedüngt wird, falls die Analysen dies nahelegen, organisch. Auch die Ernte vollzieht sich manuell, nicht nur eine große Ausnahme im Mâconnais -  geradezu ein Unterscheidungskriterium zwischen Terroirwein und anderem. Die Auslese legt jene Striktheit an den Tag, die das Optimum der Qualität verlangt. Gepreßt werden die Trauben sanft und im Ganzen, so wird Bitterkeit vermieden, Konzentration und Mineralität finden ihren Weg.

Roger Saumaize praktiziert eine langsame, lange Fermentation („Ich chaptalisiere etwas bei der Fermentation, um die Dauer der Fermentation zu verlängern. Eine lange Fermentation ist für mich das Mittel, die Purheit in meinen Weinen zu erlangen“ ) und läßt der malolaktischen Gärung stets ihren natürlichen Lauf. Die Weine werden heute länger als noch vor ein paar Jahren in einer Mischung von neuem und älterem Eichenholz ausgebaut, gewinnen so an Struktur, Fülle und Langlebigkeit.

Fossilien auf der Domaine Saumaize-Michelin
Fossilien des Jurameeres auf der Domaine Saumaize-Michelin

Ausblick

Im 19. Jahrhundert wurden die Pouilly-Fuissé-Weine noch direkt nach dem Montrachet und den Meursaultweinen plaziert, so schrieb unter anderem einer der genauesten Beobachter seiner Zeit, Dr. Jules Guyot: "Ich habe Weißweine von Pouilly, Fuissé und Vinzelles getrunken, die den Weinen von Meursault und Puligny nur wenig nachstehen; sie haben Körper, Bukett und Delikatesse." Seitdem hat mancher fade Handelshaus- oder aus Übererträgen/wenig ambitionierter Vitikultur stammende Pouilly-Fuissé dieses Bild verdunkelt.

Tatsächlich bildet die Qualität der Weine dieser Domäne bereits seit längerem - und nicht erst seitdem Weinjournalisten dies (endlich) bemerkten - den schönen Beleg, daß Kenner früherer Generationen auch hier, in Sachen Pouilly-Fuissé, richtig lagen. Historisch mag seit dem 19. Jahrhundert oft der Abstand zwischen Potenzial und Realität der Weine groß gewesen sein. Aber darin unterscheidet sich das Mâconnais nicht von anderen historischen Weinregionen.

Und derjenige, der Reputation auszublenden vermag, wenn er sich einem Wein widmet, der sieht heute „Vergisson als die aufregendste Quelle für Chardonnay im Mâconnais, wobei die besten Weine Dichte, Delikatesse, stahlige Mineralität und aromatische Komplexität in einer Weise verbinden, die man mit den besten Weinen der Côte de Beaune assoziieren {kann}" (Stephen Tanzer, 2016). Es gibt niemanden, der die Domaine Saumaize-Michelin bei dieser Entwicklung nicht als federführend sieht.

April 2017

“ Mit großer Regelmäßigkeit liefert diese Domäne Weine, die mit Genauigkeit die schönen Terroirs des Mâconnais zum Ausdruck bringen. Das Rezept hierfür ist einfach {warum, wenn es denn so einfach wäre, wendet es dann kaum ein Winzer an ? Der Verf.}: Bearbeitung der Böden, Meisterung der Erträge, Suche nach vollendeter Reife und 15% neues Holz beim Ausbau nicht überschreiten. Seit 2006...hat sich die Domäne zur Biodynamie entwickelt, ohne jedoch zertifiziert zu sein. Christine und Roger Saumaize...besitzen einige Schmuckstücke an Lagen...das schöne Mosaik an gut plazierten Lagen hier...erlaubt es, außergewöhnliche Weine zu realisieren. Diese rivalisieren ohne Komplexe mit den Premier Crus der Côte d'Or.”

La Revue du vin de france, 2017

« Roger Saumaize gehört heute zu den TOP TEN Burgunds in Sachen Erzeugung großer Weißweine. Er ist ein unermüdlicher Perfektionist.»

Le Point, 18.06.2014

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