Domaine Henri Gouges, Nuits St.Georges

- Domänendirektimport seit Jg. 1998 -

„Es ist im Weinberg, wo die großen Weine heranreifen."

Henri Gouges

Henri Gouges
Henri Gouges

Historie

1909 läßt sich Henri Gouges (1889 - 1967) in Nuits St. Georges nieder. Gouges' Vater ist Eisenbahner, die Familie besitzt bereits kleinere Weinbergsparzellen, die im wesentlichen jedoch für den Eigenverbrauch genutzt werden. Gouges, ein Mann eisernen Willens wie großer Tatkraft und Verfechter der Originalität und Qualität der Weine Burgunds hat die Absicht, eine eigene Domäne aufzubauen und in einer Zeit, in der alle Winzer ihre Frucht an den Négoce verkaufen, direkt zu verkaufen. Er beginnt in den 20er Jahren, als die Bodenpreise niedrig sind (nur wenigen Winzern gelingt es, allein mit Wein ihr Auskommen zu finden!), nach und nach mehrere Parzellen von hervorragenden Lagen in Nuits (1924 eine Parzelle der Lage Les Saint Georges, einer der ältesten Lagen Burgunds) zu erwerben. 1929 startet er den Direktverkauf ab Domäne, deren Gründung 1925 erfolgt war. Es ist leicht nachvollziehbar, welches enorme Aufsehen das an der Côte d'Or machte, der Großhandel tat einiges - er nahm seinen Kritikern z.B. einfach keinen Wein mehr ab - , um die Verhältnisse allgemein beim Alten zu lassen. Es sind Armand Rousseau (Gevrey), aber vor allem Henri Gouges und der Marquis d'Angerville (Volnay), die in Kritik an der mangelnden Authentizität der vom Négoce vertriebenen Weine - Weine zu verschneiden, auch mit denen der Rhône, ist Usus - dabei vorangehen, Domänen von Qualität und Authentizität aufzubauen, sich dabei notwendig dem Großhandel entgegenstellend. Gouges initiiert also eine wirkliche Revolution ab den 20er Jahren. Das heutige Burgund fußt auf der schließlich erfolgreichen Durchsetzung der Ideen eines Henri Gouges!

Gouges wird führender Vertreter der Winzer, sein Credo ist jenes der Appellationen, der Strenge des Respekts vor der Unterschiedlichkeit der Lagen. Im Unterschied zum modernen Hierarchiewahn, der sich vor allem für Wertungen, Reputation und Einteilungen interessiert - vergebene Punkte von Journalisten werden da wichtiger als die Eigenarten des Geschmacks der Lagen und der Entwicklung des eigenen Geschmacks - , lag Henri Gouges mehr daran, die Vielfalt der Appellationen, ihre jeweilige Identität herauszuarbeiten und zu kommunizieren.

Gouges, wegen seiner Strenge gefürchtet (man nennt ihn den "Gendarmen Burgunds"), ist einer der Protagonisten bei der Festlegung der heute gültigen Klassifizierungen in den 20er und 30er Jahren. Les Saint Georges ist eine Lage, die prädestiniert ist, Grand Cru zu sein. Aber Gouges, selbst Eigner von Anteilen dieser Lage, will sich nichts nachsagen lassen. Ein historischer Irrtum. Im Bemühen, keinen wechselseitigen Neid unter den Winzern von Nuits aufkommen zu lassen, wird jedoch seitens Gouges mit einer gewissen Großzügigkeit verfahren: so werden etwa Prémeaux und Comblanchien Bestandteil der neuen Appellation Nuits St. Georges. Und Nuits umfaßt generöse 146 ha Premier Crus...

Nach Weltkrieg II wird Henri Gouges erster Repräsentant der Winzerschaft Burgunds und Vizepräsident der INAO (Institut national de l'origine et de la qualité) - in beiden Funktionen dafür streitend, daß Authentizität und Qualität gleichermaßen bestimmend zu sein haben für eine AOC (Appellation d'origine controlée).

Es ist Henri Gouges, der die auch heute weiter gültigen Prinzipien der Domäne fixiert - Respekt vor dem Boden und der Rebe, der Originalität des Terroirs und schließlich Respekt vor dem Konsumenten. Gougesweine, so wie von Henri Gouges erzeugt, waren vins de garde, fähig mehrere Jahrzehnte lang Tiefe und Komplexität zu entwickeln. Aufgrund ihrer Bestimmtheit durch die Struktur in der Jugend waren sie jedoch auch zehn Jahre oder länger zuvor zu lagern.

Pierre, Christian, Martine, Michel u. Marcel Gouges
Pierre, Christian, Martine, Michel u. Marcel Gouges

Nach dem Ableben Henri Gouges' 1967 übernehmen seine Söhne Marcel (*1919) und Michel (* 1925), die bereits seit den 40er Jahren an der Seite Henris gearbeitet hatten, die Domäne. Sie beginnen ein umfangreiches Projekt der Neuanpflanzug von Reben, augenscheinlich nicht immer wurden zuvor erforderliche repiquages durchgeführt. Das junge Durchschnittsalter der Reben mancher Parzellen kann man als wesentlichen Grund für eine gewisse qualitative Schwächephase der Domäne in den 80er Jahren annehmen. Man kann die Natur nicht umgehen! Die Domäne erreicht unter Marcel und Michel den heutigen Umfang von 15 ha.

1985 übernimmt dann die dritte Generation Gouges mit Pierre (* 1948), Sohn Marcels, und Christian (* 1956), Sohn Michels, die Verantwortung. Pierre, der sich um den Weinberg kümmert, bewegt die Domäne hin zu einer weitgehend organischen Bewirtschaftung. Christian wird zuständig für Vinifikation wie die kommerzielle Seite.

2008 übernimmt Grégory (* 1980), Pierres Sohn, die Verantwortung, nachdem er bereits seit 2003 mit Christian zusammengearbeitet hatte. Seit 2011 ist Antoine, ein weiterer Cousin der Familie, ebenfalls Teil des Teams. Pierre, obgleich offiziell im Ruhestand, ist zumindest teilweise weiter aktiv. Christian ohnehin im Keller.

Vitikultur

Seit 2008 arbeitet die Domaine Gouges komplett organisch nachdem bereits die Hälfte der Weinberge über zehn Jahre lang erfolgreich so bewirtschaftet worden war. Der Übergang ist also kein Bruch. Pierre Gouges hatte seit 1977 nach und nach ein System der Begrünung zwischen den Rebzeilen eingeführt. Als Schutz gegen die Erosion konzipiert, die ein großes Problem der Weinberge Nuits St. Georges'' ist, war bald klar, daß die Gräser auch den Vorteil haben, überschüssiges Wasser aufzunehmen, was einen signifikanten Effekt auf die Qualität der Trauben hat: „Die Trauben sind kleiner geworden, liegen luftig-lockerer im Büschel, sind so weniger empfindlich gegen Fäulnis. Wir arbeiten organisch und mit der Balance des Bodens haben wir an Farbe, an Dichte und Köstlichkeit des Ausdrucks gewonnen.“ (Grégory Gouges) Die Begrünung hemmt die Produktivität der Rebe, zwingt sie zu tieferer Verwurzelung, beugt Fäulnis vor, macht den Einsatz von Herbiziden überflüssig und belebt das Mikroleben des Bodens. Die Domäne sucht jedoch, wie viele andere Domänen, nicht die Zertifizierung. Man will nicht ständiger Überprüfung unterliegen und evtl. Dinge gegen die eigene Überzeugung tun müssen.

Die Reben werden im guyot-System erzogen, fünf Traubenbüschel bilden dann ab Frühjahr den Ausgangspunkt für die zukünftige Ernte. Auf der Domäne hat man erkannt, daß Pflanzen aus Rebschulen oft jene Pilze aufweisen, die später dann zu verschiedenen Krankheiten des Holzes und das schließliche Absterben der Rebe (Esca, Eutypiose u.a.) führen. Man setzt deshalb ganz überwiegend auf sélection massale. 

Grégory Gouges
Grégory Gouges

Vinifikation und Ausbau

In 2007 wurde eine neue Cuverie fertiggestellt, was eine wesentliche Vorraussetzung war für Grégorys Ziel, „Weine größtmöglicher Reinheit“ herzustellen, "die Feinheit der Weine auf ein neues Level" zu bringen. Mit den Möglichkeiten der neuen Cuverie (schonendere Entrappung, noch sorgfältigere Auslese) ist eine bessere Integrität der Trauben erreichbar. Ziel bei der Vinifikation, um reinere und feinere Weine zu erzeugen, ist die „Vermeidung der Extraktion grober, schlechter Tannine, wir wollen keine harten Tannine von aufgebrochenen Kernen oder Schalen in den Weinen.“ Von daher sind Pumpen, die die Tannine trocken und hart machen, auch jetzt verbannt im Keller Gouges', alles geschieht hier per Gravität. Was die Bewegung des Weines angeht, nichts anderes als die Rückkehr zu dem, was unter Henri Gouges Usus war...

Die Frucht wird chez Gouges komplett entrappt, man läßt hier während der Fermentation die Temperatur nicht über 30° C steigen, praktiziert eine längere Postfermentation zur weiteren Fixierung von Farbe und Tannin. Die Weine werden ohne Schönung und Filtrierung abgefüllt.

Beim Faßausbau hat Grégory Gouges kleinere, interessante Änderungen vorgenommen. Neues Holz wird jetzt etwa zu 15% (zuvor 10%) eingesetzt, aber vor allem wurden die ältesten Fässer (5 Jahre) weitestgehend durch nur 1-2 Jahre alte Fässer ersetzt. Gouges arbeitet hier also in etwa so wie ein Jean-Marie Fourrier. Jüngeres, neueres Holz ermöglicht eine bessere Abrundung der Tannine, einen besseren Ausdruck der Frucht.

Ausblick

Es ist unzweifelhaft, daß die Domaine heute wieder an der Spitze der Appellation Nuits St. Georges steht. Ein verfeinerter Stil, der im Unterschied zu früher es vermeidet, jung abweisende Strenge zu zeigen. Es ist eine Änderung des Stils, der die Identität der Domäne bewahrt („die Weine werden hier immer dicht sein“ - so Grégory), aber die Weine verfeinerter, da balancierter werden läßt. Die profunde, reintönige Art, die den Charakter der Lagen so messerscharf trennt, kündet jung bereits von der sehr großen Lagerfähigkeit und kommenden Vervollkommnung der Weine.

Es ist bezeichnend für die qualitative Bewegung auf der Domäne in der letzten Dekade, daß auch die Premier Crus Chaînes Cartaux und Chaignots jetzt mehr Anschluß gefunden haben an die vier Spitzenweine. Gouges, das ist eine der allerbesten Domänen an der Côte de Nuits - heute mehr denn je.

Oktober 2016

„Grégory Gouges hat einen leichten Touch. Er hat seitdem er die Domäne von seinem Vater und Onkel übernahm, einen bestimmten Weg verfolgt, den Stil der Domäne verändert, dabei jedoch die Identität der Domäne bewahrt, aber sicher die Weine eleganter gemacht.“

Sarah Marsh, The burgundy briefing, Issue 17, 2015

„...die Weine von Nuits ähneln den Weinen Vosnes und plazieren sich auf derselben Stufe, nehmen wir die Romanées und den Richebourg aus... Die têtes de cuvées, erste Kategorie, sind St. Georges, Vaucrains, Cailles, Porrets, Pruliers, Boudots, Cras, Murgers, Thorey.“

Dr. Jules Lavalle, Histoire et statistique de la vigne et des grands vins de la Côte d'Or, 1855

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