Francois Carillon, Puligny-Montrachet

- Domänendirektimport seit Jg. 2010, Domänenstart (zuvor seit Jg. 1998 Domaine Louis Carillon) -

"Die Domaine Francois Carillon drängt sich als eine der großen Referenzen in Puligny-Montrachet auf. Die Stärke der Domaine Carillon war immer schon eine große Arbeit im Weinberg: mit erstklassigem Traubengut kann man nur schöne Weine erzeugen."

La Revue du vin de france, No 587

Logo der Domaine
Logo der Domaine

Historie

Die Carillons lassen sich in direkter Linie in Puligny-Montrachet bis zu einem gewissen Jehan Carillon im Jahr 1520 zurückverfolgen. Noch heute befinden sich die Gebäude der Carillons in jenem Bereich zwischen Kirche und altem Schloss, in dem die Familie über 15 Generationen lang lebte. Francois Carillon verwendet heute ein Logo, das einer steinernen Gravur von 1632 nachempfunden ist, die in einem Keller der Carillons gefunden wurde. Die Carillons sind tief verankert in der Historie Pulignys, aber auch Chassagnes - es gibt wenige Familien in diesen beiden Orten, die keine verwandtschaftlichen Bande zu den Carillons haben!

Erst mit der Entwicklung der Eisenbahnen Mitte des 19. Jahrhunderts wird die Kommerzialisierung der Weine überregional. Doch im Unterschied zu heute ist der Wein damals nur ein wirtschaftliches Standbein der Familie. Erst in den 1960er Jahren endet für die Carillons die traditionelle Polykultur, erst ab jetzt dreht sich alles um die Erzeugung von Chardonnay. Und ab den 1960er Jahren entwickelt sich die Direktvermarktung mehr und mehr, verringert sich der Anteil der Produktion, die an den Großhandel geht, zusehends. Vorbei die Zeit, in der der Négoce seine Position auszunutzen wußte ("In der alten Zeit waren es die Großhändler gewohnt, wie Könige aufzutreten. Es gab eine Zeit, da zahlten sie 5 Francs für ein Faß.").

1988 beginnt Francois Carillon auf der elterlichen Domaine neben Vater Robert und Bruder Jacques zu arbeiten. Die praktizierte Arbeitsteilung sieht Francois im Weinberg, Jacques im Keller. 2009 beschliessen die Brüder, getrennte Wege ab dem Jg. 2010 zu gehen. Kein Zerwürfnis ist die Grundlage, wie stes Übles befürchtende Zeitgenossen annehmen werden, sondern zum einen die Überlegung, es später einfacher zu haben angesichts nicht einfacher französischer Erbgesetzgebung und einer zahlenmäßig nicht gerade kleinen Nachkommenschaft. Zum Anderen will Francois Carillon nach fast einen Vierteljahrhundert der Beschränkung auf den Weinberg aber auch seinen eigenen Weg gehen, seine Vorstellungen vollständig realisieren - was eine eigene Domaine bedingt.

Und Francois Carillon ist ein Mann voller Tatkraft - zuletzt nach Erwerb der Domaine Maroslavac-Leger (Roland Maroslavac geht mit dem Jg. 2012 in Ruhestand) startete er einen großen, mehrjährigen Umbau mitten in Puligny zwecks Perfektionierung von Vinifikation, Ausbau und Lagerung, nahm dabei gleichzeitig eine ultramoderne Etikettier- und Abfüllanlage in Betrieb: "All das ist der Preis, den man zu zahlen hat, um die Klasse der erzeugten Weine zu respektieren."

Puligny-Montrachet
Blick auf Puligny-Montrachet

Vitikultur

„In jedem Jahr kann man ausgezeichneten Wein von unseren besonderen Terroirs erzeugen, dabei gibt es Jahre, die einem mehr abfordern als andere. Man muß an die Terroirs glauben, es ist einfacher, im Keller alles mögliche zu machen, aber das führt zu korrekten Weinen, aber nicht zu solchen mit Seele und Überraschung.“ (Francois Carillon)

Francois Carillon ist ein leidenschaftler Weinbergsarbeiter ("Ich bin in allererster Linie ein Mann der Erde, ich will Bauer bleiben. Die Einfachheit macht den Wert der Dinge aus. Für mich zählt die Suche nach dem Vergnügen im Wein, auch wenn das Ziel nicht ist, unsere großen Weine nach sechs Monaten zu verkosten."), der Grundstein für diese Passion, so Carillon, wurde in der Kindheit gelegt, als er mit Vater Louis und Großvater Robert oft in den Reben war. Francois war es, der in 22 Jahren die Vitikultur auf der elterlichen Domäne auf einen eher exemplarischen Stand an der Côte de Beaune brachte.

Francois' Ambition ist es, die Vitikultur, die gekennzeichnet ist durch niedrige Erträge zwecks optimaler Reife sowie handwerklich-organischer Bewirtschaftung des Bodens, weiter zu perfektionieren, Ziel ist, "den Bedingungen des Jahres entsprechend die bestmöglichen Trauben überhaupt zu erzeugen." Die Weinberge werden bis zu 8x pro Jahr gepflügt, in den Premier Crus per Pferd, um keine Kompaktierung des Bodens zu bewirken. Oft ignoriert als wichtiger Baustein der Qualität von Wein, ist der Weinberg frei von wenig-qualitativem SO4-Pflanzmaterial ("zu wuchsstark, zu produktiv und die Reben sterben früher ab"), heute auf Weinbergen von ca. 180.000 ha in Frankreich verbreitet. Francois nutzt vielmehr das hochqualitative 161-49 Pflanzmaterial in seinen Premier Crus.

Zu einem akribisch genau festgelegten Erntezeitpunkt, der sich mit Abschluß der Photosynthese ergibt und in keinem Fall Überreife sucht, werden die Trauben hier seit jeher manuell eingebracht.

Francois Carillon
Francois Carillon

Vinifikation u. Ausbau

Francois praktiziert eine langsame, langanhaltende alkoholische Fermentation, traditionell im Faß und zu niedrige wie zu hohe Temperaturen vermeidend. Die langsame, langanhaltende Fermentation, so Francois, "ist besser für den Ausdruck von Eleganz und Mineralität der Terroirs." Er presst hierbei die Frucht nicht, da dies bittere Noten bewirke - in der Tat sind seine Weine von sanfter Eleganz, untergründiger Mineralität und Floralität gekennzeichnet, bittere oder herbale Momente fehlen hier völlig.

Francois erzeugt keine Weine für jene, die ihren weißen Burgunder binnen 2-3 Jahren meinen, trinken zu müssen: "Ich mache Weine für Leute, die warten können." Lange, bis in den 2. Winter hinein, ernähren sich die Weine chez Carillon auf einem reichen Hefebett, Francois arbeitet mit 3-4 Litern an Hefen, die, wie bekannt, per Autolyse den Weinen Reichtum, Komplexität und Statur geben. Francois praktiziert nur eine sehr schwache débourbage ( Aussondern grober Trubteile des Mostes), "ich will keinen klaren Most, mein Wein soll Stoff haben." (eine zu strenge débourbage wird weithin als einer der Gründe für die frühzeitige Oxydation mancher weißer Burgunder gesehen). Maximal 20% neues Holz sehen hier die Premier Crus während des Faßausbaus - Francois nutzt vielfach die Fässer der an der Côte d'Or sehr angesehenen Tonnellerie Chassin - , der sich auch für die Puligny-Villages (nicht nur hier sind die Angaben in dem seinerzeit so großartig recherchierten Buch Remington Normans (Côte d'Or) aus 1996 überholt, er berichtet von der Abfüllung des Puligny noch vor der neuen Ernte) über zwei Winter erstreckt. Nach ca. 12 Monaten Ausbau im Faß werden die Weine noch ca. ein halbes Jahr im Stahltank assembliert, wo sie sich langsam harmonisieren. Ein langer Ausbau führt auch - s.o. zur Autolyse der Hefen - zu einer großen Stabilität für solche vins de garde, wie sie Francois anstrebt: "Das erlaubt es mir zudem, die Dosen freien Schwefels gering zu halten."

Francois sticht nur insgesamt zweimal von den Hefen ab und achtet darauf, daß der Abstichohne Kontakt mit Sauerstoff passiert. Das reduktive Milieu, das der Wein selbst bildet, sorgt für jene Stabilität, die den Wein später über die Dekaden trägt.

In Puligny-Montrachet
In Puligny-Montrachet

Vom Stil großer weißer Burgunder

"Die großen weißen Burgunder sind nicht weniger hinreißend (als die roten. Der Verf.). Nach fünf bis zehn Jahren entwickeln sie Fülle und Eleganz im Verein mit kraftvollem Rückgrat. Die besten sind stets verhalten, komplex und intensiv und nie überzogen - sie fordern den Genießenden dazu auf, seine Phantasie spielen zu lassen und zwischen den Zeilen zu lesen." (Remington Norman)

Francois Carillons Weine "steigen" nicht nur jung im Glas - ein Phänomen, das Trinker des Angebots der großen Distribution gar nicht kennen, hier ist nämlich der erste Schluck derjenige, der am meisten "hergibt" - , legen also mit Oxydation an Ausdruckskraft und Intensität zu, sie gewinnen eben auch mit Lagerung an Definition und intensiver Mineralität. Pressierte Jungweinverkoster ebenso wie Großverkoster verpassen diese Weine, so denn nicht von größerer Erfahrung, oft. Es nützt nichts - Burgund und seine Terroirs bilden eine ganz eigene Kultur und wer sich für Details dazu nicht interessiert, wird den Weinen dieser spannendsten Weinregion nie sonderlich nahekommen.

Die Weine Francois' starten also in aller Regel diskret in ihr Leben. Hegt man die Vorstellung - die leider auch in Sachen Pinot Noir so oft der Fall ist - diese Weine seien gemacht, um gleich nach Flaschenabfüllung durch Eingängigkeit und vordergründige Süße ein möglichst großes Publikum zufriedenzustellen, irrt man. So diskret, so ausgewogen, so wenig laut starten die Weine Francois' ins Leben, daß selbst erfahrenere Verkoster sich in deren Gewicht und Substanz täuschen. Es bleibt aber das Genie eines durchgehend feinen Weines, daß in ihm gerade keine Komponente sich aufdrängt. Die Balance einer optimal reifen Frucht sollte sich eben in feinem Wein wiederfinden.

In klassisch-burgundischer Manier legen diese Weine dann mit den Jahren erheblich zu und haben kein Problem, die Degustationen gereifter Weine zu dominieren. Die Weine Francois Carillons gehören nicht zu jenem nicht unbedeutenden Teil der Weißweine der Côte de Beaune, deren Charakteristik es ist, über 2,3 Jahre per saftiger Frucht ein ungeduldiges Publikum zufriedenzustellen. Hier geht es um die Nuancierung des Terroirs über die Jahre, hier geht es um subtile Klasse, die Lagerung vorraussetzt.

Francois Carillons Weine öffnen eine neue Seite in der langen Geschichte der Carillons in Puligny, sie berühren durch Purheit, Diskretion und der Fühlbarkeit eines auch jung existierenden Moments an schwer definierbarer Klasse. Es sind Weine, die jede Imposanz vermeiden. Daß Francois mit diesem Stil schon mal zum "Winzer des Jahres an der Côte de Beaune" (Bourgogne aujourd'hui) ausgerufen wird, zeigt, daß es weiter Passionierte gibt, die Stil und Klasse in einen weißen Burgunder suchen, nicht simpel ein wesentlich nur frisches alkoholisches Getränk, zu dem Weißwein zuweilen ideologisch wie praktisch herabgestuft wird.

Juni 2017

„Ich mag die Weine Francois Carillons sehr, da er nie versucht, zu imponieren. Er weiß, daß ein großer weißer Burgunder pur und diskret ins Leben starten muß, um sich später vorteilhaft zu entwickeln...Er ist ein Stilist und einer der besten Vinifizierer in Sachen Weißwein an der Côte de Beaune."

Patrick Essa

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