Domaine de la Pousse d'Or, Volnay

- Domänendirektimport seit Jg. 2016 -

« Die Domaine de la Pousse d'Or ist eine mythische Domaine Burgunds, da sie die Schwester Romanée-Contis ist. Die heutige Domaine war Bestandteil der grossen Domaine, die 1923 geteilt wurde und der Clos de Tavannes gehörte ursprünglich zu Romanée-Conti. »

Patrick Landanger

Domaine de la Pousse d'Or

Volnay

"Ein grosser Teil der Lagen Volnays unterliegen Bedingungen des Bodens wie der Exposition, die für den Weinbau nicht günstiger sein könnten." (Dr. Jules Lavalle, 1855)

Heute, da vor allem bestimmte US-amerikanische Vorlieben mit Hang zu "staying power" die Côte de Nuits quasi gleichsetzen mit Burgund, steht jener Geschmack zu Unrecht mehr im Hintergrund, den Camille Rodier veranlaßte zu formulieren, dass Volnay Weine hervorbringe (hervorbringen könne, wäre präziser), die "sich vor allem durch ihre Eleganz, ihren weichen Geschmack, eine perfekte Ausgewogenheit und ihr delikates Bukett auszeichnen; nach den Weinen von Musigny sind sie die feinsten von ganz Burgund." (Vin de Bourgogne, 1920).

Die Reputation Volnays, die hier anklingt, hat eine lange Historie. Es waren bis zum Ende des 18. Jahrhunderts andere Weine, delikater, leichter, weil nur kurz fermentiert und mit Weissweinen verschnitten, aber sie trafen exakt so den herrschenden Geschmack über Jahrhunderte, definiert durch die französischen Könige von Philippe von Valois, der 1328 bei seiner Krönung Volnay reichen ließ, bis zu Ludwig XV, dem für seine Krönung auch nichts besser erschien als Weine aus Volnay, Beaune und Pommard.

Eine andere Vinifikation, der Wegfall des Anteils der Weissweinfrucht - die Weine wurden tieffarbiger, gewannen Struktur und Langlebigkeit - änderten nichts an der herausgehobenen Stellung Volnays an der Côte d'Or. 200 Jahre nach der französischen Revolution notiert Matt Kramer (Making sense of burgundy) - was auch heute, 30 Jahre später, zutrifft - für ihn als Weinautor "gebe es kein grösseres Vergnügen, als die Vorzüge Volnays zu rühmen. Kein anderer Burgunder, außer Chambolle-Musigny, kann den Duft und die Finesse des Pinot Noir so gut vermitteln wie Volnay."

Dabei machte der Prince de Condé, grosser Liebhaber der Weine Volnays, die ernüchternde Erfahrung, dass es nicht ausreicht, Reben aus Volnay an anderer Stelle anzupflanzen, um zu schönen Resultaten zu kommen. Jedenfalls waren die Weine beileibe nicht von ähnlicher Güte, als er dies bei seinem Haus in der Oise südlich von Paris tat. Seine Klage darüber, so kolportiert es Anthony Hanson, beantwortete ein M. Brunet aus Beaune mit dem weiter gültigen Statement, "Monsieur, Sie hätten auch den Boden und die Sonne mitnehmen müssen." Kurzum, die Originalität von Terroirs läßt sich nicht reproduzieren.

Klar ist nur, dass jenes stets bemühte Ideal von Volnay an der Côte de Beaune als Pendant zu Chambolle-Musigny an der Côte de Nuits nicht deckungsgleich ist mit der Realität der Qualität im Glas. Es ist sowohl die Unterschiedlichkeit in Sachen Vitikultur und Stil der Winzer als z.B. auch eine beachtliche Differenz in Sachen Terroir zwischen oberem und unterem Teil des Hangs, die praktisch dem Ideal den Garaus machen. Es ist in Burgund nicht nur falsch, ganze Jahrgänge unter einen Topos zu subsumieren, es ist auch so mit Appellationen. Es bleibt ein Widerspruch von Diskussionen um Burgund, dass man einerseits die Kleinteiligkeit an Winzerstilen/Arbeitsweisen wie Terroirs - positiv - zur Kenntnis nimmt, andererseits jedoch dieselbe kleinteilige Realität in eine gleichförmige gedankliche Box packt.

Was Volnay und seine Weine angeht, sie können eben "echte Essenzen des Pinot Noir" sein,"die ihre noble Herkunft und das große Können sowie die Qualitäten widerspiegeln, an denen dieser Teil der Côte de Beaune so reich ist" (Remington Norman, 1996). Dass diese Tatsache sich nicht in der Existenz von Grand Crus in Volnay niederschlägt, verdankt sich neben politischen Umständen (Einfluss des Négoce zur Zeit der Etablierung der heutigen Appellationshierarchie) auch dem Umstand einer relativ grossen Homogenität der Crus, wie Lavalle 1855 bereits anmerkt. Aber, um der Wahrheit die Ehre zu geben, so Lavalle weiter, wird man dennoch einige têtes de cuvées - die heutigen Grand Crus - herausheben müssen. Caillerets an erster Stelle, aber nicht nur. 

Gérard Potel u. Familie
Gérard Potel u. Familie (70er Jahre) (Foto: Hubrecht Duijker)

Historie

Präzise, so die Auskunft der Domäne, ist deren Historie belegt seit der frz. Revolution 1789, aber aus dem Dunkel der Geschichte lassen sich Anfänge der Domäne im 16. Jahrhundert erkennen. Zur Schwester von DRC wurde die Domäne im 19. Jahrhundert, als Jacques-Marie Duvault-Blochet eine - insbesondere für Burgund - enorm grosse Domäne mit den Hauptelementen DRC, Clos de Tart und P(B)ousse d'Or aufbaute.

Nachdem diese grosse, auf Duvault-Blochet zurückgehende Domäne 1923 geteilt wurde – der heute zur Domaine zählende Premier Cru Clos des Tavannes war z.B. damals Teil von DRC - , dann die Familien de Chavigné und de Lavoreille wenig erfolgreich arbeiteten, erwarben die Familien Ferté, Potel und Seysses im Mai 1964 die Domäne. Gérard Potel entwickelte Pousse d'Or ab 1964 bis zu seinem vorzeitigen Tod in 1997 zu einer der feinsten Domänen überhaupt an der Côte d'Or, „Finesse gegenüber Angeberei betonend“, wie Matt Kramer anmerkt. Potels Weine waren "vins de terroir von ertragsschwachen alten Reben, ausgelegt auf Eleganz und Finesse", so Remington Norman.

Gérard Potel war ein Winzer, der seiner Zeit, in der es unüblich war, sich (abgesehen von ein paar evtl. verschimmelten Trauben) von Lesegut zu trennen, voraus. Verblüfft berichten Verkoster von der Exzellenz etwa der 1973er oder 1994er Weine hier, die ansonsten an der Côte eher wässrig bis unterreif gerieten. Potel kam nämlich auf die heute (nur) bei den besten Erzeugern wie selbstverständlich befolgte Praxis, ausschließlich das allerbeste Traubengut zu verwenden, sich vom Rest rigoros zu trennen. Seine Erfolge nicht nur, aber gerade auch in Jahren, die allgemein eher schwächere Resultate zeitigten, verschafften ihm bald grosse Anerkennung bei Kennern Burgunds und begründeten den Ruf der Domäne. En passant illustriert das Beispiel Potel demjenigen, der etwas wissen will über Burgund, wie wenig valide ein sog. Jahrgangsimage, also die Vorstellung einer Gleichartigkeit der Ergebnisse, ist. 

Im nachhinein ist es schade, Gérard Potel in den 90er Jahren nicht mehr begegnet zu sein, er war auch ein Kritiker jener auch heute noch grassierenden seltsamen Mode, vom Geschmack unmittelbar auf Produktionsmethoden zu schliessen (um dann vielleicht noch moralische Raster darüber zu legen) statt stets das im Fokus zu behalten, worum es geht - die Qualität im Glas. Burgund, das ist nicht ein Königsweg, ich bin sicher, in der Diskussion hätte Potel, der auch stets Neues versuchte, hier zugestimmt. Es wäre auch heute noch ein Fortschritt, gäbe es mehr Leute wie Potel, dem es um das Resultat im Glas ging.

Patrick Landanger
Patrick Landanger

Die Ära Landanger

» Für den Wein darf man nichts anderes verwenden als das, was man auch Lust hätte, zu essen!»(Patrick Landanger)

Seit 1997 befindet sich die Domäne - sie umfaßt 17 ha Weinberge in Volnay, Chambolle-Musigny, Corton, Pommard, Puligny und Santenay, fast ausschließlich Grand Crus und Premier Crus, – im Besitz von Patrick Landanger, kein Winzer, sondern ursprünglich Mann der Fabrikation orthopädischer Implantate. Seine Passion aber seit Kind an, als er auf dem Plateau von Langres mit seinem Großvater Landwein erzeugte, war, so Landanger, „die Vinifikation“.

Die ersten fünf Jahre über beschäftigte Landanger in jedem Jahr einen anderen Önologen, „um das Handwerk vollständig zu erlernen.“ Es wurde guter Wein erzeugt, aber kein Wein, „der sang“, wie es Clive Coates schön burgundisch ausdrückt. Und das Ziel war natürlich den Weinen genau jene memorabel-sinnliche Form zu geben, die Burgunder haben können.

Bereits Nicolas Potel, Gérard Potels Sohn, hatte teils begonnen, organisch im Weinberg zu arbeiten, mittlerweile tut die Domäne dies seit über 20 Jahren, in 2014 begann man auch unter dem Einfluss Hubert Rossignols, dem neuen chef de la culture, biodynamisch zu arbeiten: «Wir sind für die biologische Agrikultur... Was meinen eigenen Wein betrifft, gehe ich von dem Prinzip aus, dass ich der erste bin, der ihn trinkt, weil ich ihn täglich trinke, will ich, dass er absolut biologisch ist. » (Patrick Landanger)

Landanger hat im Laufe der Jahre Anteile an herausragenden Terroirs zum ursprünglichen Besitz hinzugefügt - 0,45 ha des Grand Cru Corton-Bressandes, 1,45 ha sogar am Grand Cru Corton Clos du Roi, 0,73 ha am Premier Cru Puligny Clos du Cailleret, dann in 2009 durch den Erwerb der Domaine Moine-Hudelot neben 0,32 ha Chambolle-Musigny Village Parzellen an vier Chambolle-Premier Crus (Groseilles, Feusselottes, Charmes, Amoureuses) sowie Anteile an den Grand Crus Clos de la Roche wie Bonnes Mares. Zuletzt wurde ein kleiner Teil des Grand Cru Chevalier-Montrachet erworben, 2017 wird der erste Jahrgang sein. Das historische Herz der Domäne bleiben die drei Monopollagen in Volnay: Clos de la Bousse d'Or, Clos des 60 Ouvrées und Clos d'Audignac sowie die Anteile an Caillerets, Pommard 1er Cru Jarolières und Santenay 1er Cru Clos de Tavannes. 

Die Domaine de la Pousse d'Or ist nicht nur qualitativ eine der ersten Domänen Burgunds, es ist auch eine der bedeutendsten Domänen, was die Zusammensetzung der Terroirs angeht.

Im Keller der Domaine de la Pousse d'Or
Im Keller der Domaine de la Pousse d'Or

Ernte, Vinifikation und Ausbau

» Es gibt keine Rebsorte, die mir mehr Freude macht als der Pinot Noir. Die Pinotrebe ist die Königin unter den Rebsorten. Worum es uns geht, ist der purste Ausdruck der Terroirs. » (Patrick Landanger)

Mit dem Jahr 2018 tritt Benoît Landanger, seit 2013 an der Seite seines Vaters bei der Vinifikation, in die Fußstapfen Patricks. Die Landangers haben sich die Einsicht Hubert de Montilles zu eigen gemacht, dass man im Keller noch einiges justieren könne, jedoch nicht einen Mangel an Reife. Volle phenolische Reife ist daher das Ziel beim Erntedatum, und hier ist man dann, was die Erzeuger Volnays angeht, näher bei Montille oder Henri Boillot als bei Lafarge, bei dem die Weine mehr als eine Dekade "bemerkenswert unkommunikativ" (Raymond Blake, Côte d'Or, 2017) bleiben können, was nicht unsere Idee von Burgund ist. Der Einsatz eines optischen Auslesetisches garantiert nach der manuellen Ernte in 20 kg-Körben die Verwendung allein des besten Traubengutes.

Die Landangers sind Adepten einer langen, langsamen Cuvaison über mindestens drei Wochen, wobei die Temperatur nicht 30° C überschreitet. Die Fermentation basiert auf den natürlichen Hefen. Punkt. Nichts kommt hinzu, Wein ist hier fermentierte Frucht, kein industrieller mix-up ohne Bezug zur Herkunft. Landanger startet normalerweise mit zwei pigeages und steigert dann die Extraktion, um mit relativ langer Post-Fermentation auszuklingen. Die Frucht wird vollständig entrappt.

Der Ausbau im Fass erstreckt sich über 15-18 Monate, nicht mehr als 30% neues Holz werden eingesetzt ("unser aktuelles Projekt ist stets weniger neues Holz einzusetzen") und die Landangers experimentieren mit dem Ausbau in Amphoren, eine Technik, die augenscheinlich dazu führt, dass der Wein später von höherer Sensibilität gegenüber äußerlichen Bedingungen (Temperatur, Luftdruck) ist als nach vorherigem Ausbau im Fass. On verra.

Aktualität

Mit Hubert Rossignol als chef de culture und Benoît Landanger als verantwortlichem Régisseur, Patrick Landanger im Hintergrund,Terroirs, die potenziell mit zu den besten Burgunds zählen, einem Weinberg, der aufgrund einer langen organischen Bewirtschaftung (die Biodynamie wurde hier auch in 2016 nicht aufgegeben) über einen gesunden, balancierten Boden verfügt, einer Philosophie, die das Terroir nicht marketingmäßig als Parole benutzt, sondern diese Kernidee Burgunds praktisch ernst meint, also Purheit der Frucht, Reife der Tannine und Seidigkeit der Textur realisiert, so wie es grosse Lagen erlauben, mit einer Innovationsbereitschaft, die hier schon unter Gérard Potel anzutreffen war, immer im Dienst der grundlegenden Philosophie - mit all diesen Vorraussetzungen (zu denen nicht zuletzt auch ein erstklassiges Equipment zählt) ist die Domäne aktuell in Volnay, der Perle der Côte de Beaune, herausragend. Und damit an der gesamten Côte d'Or.

Juli 2018

«...wenn eine Flasche des 1970er Santenay Clos Tavannes, getrunken nach vierzig Jahren, etwas ist, nach dem man urteilen kann, können diese Weine auch fabelhaft altern. »

Raymond Blake (Côte d'Or, 2017)

« Falls Sie einen grossen Burgunder als zu kraftvoll ansehen, mit widerspenstigen Tanninen, was er zu oft noch ist {wie wahr. Selbst ein Roumier 2011 kann das sein, nach sieben Jahren. Der Verf.}, sollte man hierhin kommen, zur Domaine de la Pousse d'Or, um die Delikatesse dieser Rotweine zu erfassen. Sie sind reine Sinnlichkeit, selbst auf Terroirs, die als kraftvoll gelten.»

Bettane/Desseauve, Tableau d'honneur 2016

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