Arnaud Mortet, Gevrey-Chambertin

- Domänendirektimport seit Jg. 1992 -

"Den Wein macht man, wie gesagt, im Weinberg. Die dortigen Leistungen sind das Alpha und Omega. Harte Arbeit erwartet den, der sich dafür entscheidet. Doch dann ist Jahr für Jahr alles herauszuholen - vorausgesetzt es gibt keine Naturkatastrophen."

Denis Mortet

„Der junge Arnaud Mortet hat in Burgund bereits einen Namen für die Qualität seiner
Weinbergsarbeit gewonnen und Winzer für Winzer sprach bewundernd darüber, wie Arnaud die
Arbeit seines Vaters fortgesetzt hat. Ich sollte hinzufügen, daß Kollegen-Komplimente unter
Winzern, wenn es um Weinbergsarbeit geht, sparsam verwendet werden, aber die beiden
Domänen die für gewöhnlich hier genannt werden , sind Mortet und Groffier."

Allen Meadows, Burghound Issue 33, 2009

Denis Mortet (1956 - 2006)
Denis Mortet (1956 - 2006)

Historie - Denis Mortet

Die Domaine Denis Mortet entsteht 1991 aus der Aufspaltung der Domaine Charles Mortet - Charles' Söhne Thierry und Denis gehen getrennte Wege. Zusammen hatten sie zwischen 1984 und 1991 die elterliche Domäne geführt. Der Jahrgang 1992 - zugleich der erste, den wir direkt nach Deutschland importierten - ist der erste der neuen Domäne Denis Mortet.

Mortet, überzeugt sehr gute Weine hervorzubringen, muß sich jedoch nach einer Verkostung der Weine Leroys eingestehen, daß er noch einen Weg vor sich hat, wenn er das allerhöchste Level erreichen will - zumal weitestgehend nur mit Villageparzellen in Gevrey-Chambertin ausgestattet. Doch weil seine Analyse der Schwächeperiode Burgunds in den 70er und 80er Jahren exakt trifft, sind die praktischen Änderungen konsequent: "Man hat das Pflügen zugunsten der Herbizide aufgegeben. Die Reben produzierten Menge aufgrund unzulässiger Düngung...Mit der Düngung und der Mechanisierung ließ man sich zwanzig Jahre lang gehen, wollte sich die Dinge leicht machen. Die Folge waren verwässerte, unausgewogene Weine."

All das, was heute eher selbstverständlich ist für Burgunds Topwinzer, ist damals eine Ausnahme: Mortet stoppt den Einsatz von Herbiziden, kehrt zum traditionellen Pflügen zurück. Weil allein komplette Reife den vollständigen Ausdruck des Terroirs erlaubt, ändert er die Prioritäten: erzielte Mengen haben sich an der Qualität der Trauben zu messen. Es ist die Intensität und die Sorgfalt, mit der die Weinbergsarbeit geleistet wird, die die Qualität der Frucht erlauben, eine Qualität, die per Vinifikation nicht zu transzendieren ist. Und die Resultate dieser Anstrengungen sind faßbar, müssen Anfang der 90er Jahre noch bis zu 20% der Frucht ausgesondert werden, ist der Prozentsatz zur Jahrtausendwende kaum 1%. Christopher Howel, einer der anerkanntesten Winzer Kaliforniens und Kenner der Weinberge der Welt, kann 2001 notieren: " Ich habe nirgendwo dermaßen gut unterhaltene Reben gesehen wie bei Denis Mortet."

Mortets Ehrgeiz, die bestmöglichen Weine zu erzeugen - seit Mitte der 90er Jahre kann er den Domänenbesitz beständig vergrößern, Winzer, die den Ruhestand antreten, bieten einem Mortet, der sich keineswegs nur bei Journalisten und Burgundinteressierten einen Namen gemacht hat, sondern gerade auch bei Winzern, als erstem ihre Parzellen an - führt ihn auch zu ambitionierter Vinifikation wie Ausbau. Ende der 90er Jahre erkennt er, daß er das Spielen mit den Möglichkeiten erstklassigen Traubenmaterials temporär zu weit gefaßt hat, jedenfalls die Extraktion zu viel war: "Ich habe mit tieffarbigen, konzentrierten Weinen Aufmerksamkeit erlangt. Mit dem heutigen Abstand, den man gewonnen hat, ermangeln sie der Komplexität, der Seidigkeit des Stoffes und der Nachhaltigkeit" (Denis Mortet, 2004)

Daß auch die Weine dieser Periode aufgrund ihrer exzellenten phenolischen Reife ausgezeichnet altern (Villages der 90er Jahre sind noch heute wunderbar frisch und sehr geschmackspräsent, den Weinen ist jedoch unbedingt sehr viel Luft zu geben), wird nur jene verblüffen, die fälschlich Vinifikation und Ausbau für das A und O beim Wein halten. Letztere falsche Idee hatte Mortet nie, denn er wußte, daß seine Praxis 100% neues Holz für alle seine Rotweine zu verwenden, nur auf der Grundlage erstklassiger Konstitution der Trauben möglich war: "Ein Ausbau in 100% neuem Holz toleriert nicht das mindeste Übermaß in den Erträgen. Man braucht vollreife und konzentrierte Trauben."

Denis Mortet, so viel ist unbestritten, war einer der führenden Winzer, die in den 90er Jahren in Burgund die Rückbesinnung auf eine qualitative Weinbergsarbeit als Schlüssel zur Erzeugung großer, ausgewogener, langlebiger Weine mit angestoßen haben. Er ist hier im Jayerschen Sinne praktisch so konsequent gewesen wie kaum ein anderer junger Winzer Burgunds der Zeit.

Daß Denis Mortets Arbeit sich auf seine partiell zu weitgehende Extraktion bzw. seinen Ausbau in neuem Holz zusammenkürze* stellt jedenfalls diesen großen Winzer von den Füßen auf den Kopf. Was bleibt von Denis Mortet, der sich im Januar 2006 das Leben nahm, ist allemal seine Unbändigkeit, jedes Detail der Vitikultur im Sinne des Terroirs stets weiter verbessern zu wollen. Es ist dieser Wesenszug, der das aktuelle Burgund im Unterschied zu den 70er und 80er Jahren so spannend macht - und der es wieder zum Modell für alle Terroirwinzer der Welt gemacht hat. Mortet hatte an dieser Entwicklung keinen unbeträchtlichen Anteil.

* Wenn ausgerechnet Journalisten des Wine Advocate diesen Stil der 90er Jahre heute kritisieren, so entbehrt dies nicht einer gewissen Komik, aber auch Chuzpe, war doch gerade dieses Weinjournal, damals im Zenith seines Einflußes, unablässiger Verfechter konzentrierter, generös in neuem Holz ausgebauter Weine, nichts war zu lesen von heute gängigen Parametern wie Typizität, Purheit, Detailliertheit.

Arnaud Mortet
Arnaud Mortet, 2015

Aktualität - Arnaud Mortet

Arnaud Mortet ist 25 Jahre alt, als er die Domaine nach dem Tod seines Vaters übernehmen muß. Seit 2000 an der Seite Denis' auf der Domaine, obliegt ihm weitgehend auch schon die Vinifikation der Weine des Jahrgangs 2005. 2002 hatte Arnaud, der während seiner Ausbildung am lycée viticole in Beaune auch Praxis in Australien (u.a. Philip Bass) sammelte, ein ganzes Jahr auf der Domaine Leflaive gearbeitet, dabei die Praxis der Biodynamie kennenlernend. Arnaud, u.a. sehr gut befreundet mit Guillaume Boillot, ist mithin alles andere als ein greenhorn in Sachen Wein im Januar 2006, was von dem Schock gerade der ersten Monate durch den plötzlichen Verlust Denis' allerdings nichts wegnimmt. 

Arnaud ("ich habe alles von meinem Vater gelernt"), praktiziert keinen Bruch mit dem Stil seines Vaters, die Weine bleiben dicht und von schöner Struktur, er setzt aber deutliche Akzente: "Mein Ziel ist, die Individualität der Lagen, in denen wir Reben besitzen, zum Ausdruck zu bringen, was bedeutet, die Weine nicht mit Tannin zu bedecken."

Die Berichte über die Änderungen chez Mortet fokussieren sich in typisch journalistischer Art auf neue Akzente im Keller - Arnaud reduziert die Extraktion, was bereits Denis seit 2000 getan hatte, weiter (pigeages allein noch am Ende der cuvaison) und senkt beim Faßausbau den Anteil neuen Holzes (allein der Chambertin erfährt heute noch 100% neues Holz) - eher unerwähnt bleibt jedoch die weiter gesteigerte Qualität der Weinbergsarbeit. "Die Zukunft liegt im Boden, ihn zu respektieren und besser zu verstehen" - so lautet unverändert das Credo der Domaine Mortet. 

Arnaud, der mit seiner Èquipe ausschließlich traditionelle Handarbeit leistet (keine Maschinen im Weinberg), hat u.a. die Begrünung der Weinberge verstärkt - die damit gegebene Konkurrenz zur Rebe bremst deren Produktivität. Das Pflügen der Weinberge erfolgt in den Premier und Grand Crus per Pferd - es existiert keine Methode, die Böden weniger zu kompaktieren, sie lebendiger und drainanter zu halten. Arnaud profitiert zweifelsfrei vom exzellenten Zustand des Weinbergs, den ihm sein Vater hinterlassen hat, wobei das durchschnittlich sehr hohe Rebalter keine unbedeutende Rolle spielt.

Ausblick

Arnaud Mortet hat es in der letzten Dekade vermocht, die Qualität der Weinbergsarbeit, für die die Domäne ohnehin berühmt war, ebenso zu steigern wie für eine weitere Verfeinerung bei Vinifikation und Ausbau zu sorgen. Mortet, das ist eine traditionelle Familiendomäne Burgunds - Arnaud arbeitet an der Seite seiner Mutter Laurence wie Schwester Clémence - , deren Weine nicht nur für uns bei großen Vergleichsverkostungen der respektiven Appellationen heute immer Teil der Referenzweine sind. Selbst jene, die weiterhin antiquierte Vorurteile gegenüber der Domäne mit sich herumschleppen, können nach gut präparierten Blindverkostungen zu keinem anderem Befund kommen...Mortet, das ist eine der nicht zahlreichen Domänen, die tatsächlich eine reale Grundlage liefern für die aktuelle enorme internationale Reputation Burgunds.

Juni 2016

"Obgleich ihm größere Parzellen von Grand Crus fehlten, hatte sich Denis Mortet schnell in der Spitzenliga Burgunds etabliert. Sein Sohn Arnaud macht nicht den Anschein, diese Position räumen zu wollen."

Stephen Brook, Decanter, 2011

"Exzellente und elegante 2014er Weine hier. Alle zeigen ihr Terroir wunderschön." 

Sarah Marsh, MW, The burgundy briefing, Issue 17, 2015

"Arnaud Mortet steht als meisterlicher Winzer heute hier in der Verantwortung und wird damit dem Ruf der Domäne gerecht."

Michel Bettane, The world of Fine Wine, 2016

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