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Domaine du Vicomte Liger-Belair (Château de Vosne-Romanée), Vosne-Romanée - die Weine
Eine große Domäne tritt auf den Plan zurück


Vicomte Louis-Michel Liger-Belair
Chevalier de Boisdeffre, 1788
"In dem Maße wie der Mensch versucht, die Natur zu korrigieren, anstatt ihr zuzuhören, ihr zu folgen und zu helfen, befindet er sich auf dem Weg des Irrtums."
 

Louis-Michel Liger-Belairs Ziel ist es, natürlich-konzentrierte Weine zu erzeugen, die aufgrund vollreifer Frucht und hoher Balance die Quintessenz des Terroirs darstellen. Insofern ist es konsequent, daß im Keller alles unterlassen wird, was der Reinheit und Natürlichkeit des Weins abträglich ist. So waren die Weine bei der Novemberverkostung bislang weder geschwefelt (Louis-Michel setzt nur ein absolutes Minimum vor Flaschenabfüllung hinzu) noch abgestochen worden. Und was die Arbeit der natureigenen Hefen in nur wenigen Monaten ausmacht, war eindrucksvoll nachzuvollziehen. Louis-Michels 2002er Weine sind Meisterwerke der Natürlichkeit, der Terroirtransparenz, aber auch des aromatischen Reichtums und nicht zuletzt der Vornehmheit. Louis-Michel, bei dem Henri Jayer immer wieder mit Rat beiseite steht, hat vernünftigerweise angesichts des nahezu perfekten Traubenmaterials nur minimal extrahiert, was den Weinen schon früh - wir haben die 2002er im November 2002, im Juni u. November 2003 verkostet - eine wunderbare Transparenz für ihr zugrundeliegendes Terroir gab.

Louis-Michel ist sehr zufrieden mit den Resultaten der Arbeit in den Weinbergen ("Wenn man morgens um 5.30 h aufsteht und Knochenarbeit im Weinberg leistet, möchte man auch, daß die Arbeit belohnt wird"). Er hat das Pflügen per Pferd wieder eingeführt und verweist auf eine weitere Gesundung und bessere Ausgewogenehit des Weinbergs, was zu homogenerer Reife und besserem Verhältnis von Fest- und Flüssigkeitsstoffen führe. Die Stärke Burgunds sind Winzer der jungen Generation Burgunds wie Louis-Michel, der Weine erzeugt, die die ganze natürliche Überlegenheit der Terroirs Burgunds zum Zuge kommen läßt und die in keiner Form die Konkurrenz mit den Technoweinen suchen, die überall auf der Welt (weil sie im Keller und nicht im Weinberg entstehen) erzeugt werden können.

Daß ausgerechnet 2002 der erste Jahrgang ist, in dem Louis-Michel die Möglichkeit hatte, die Trauben aus den Lagen Aux Reignots und La Romanée zu vinifizieren (bis 2006 wird der langjährige Vertrag mit Bouchard Père et Fils ausgelaufen sein und die Domäne den gesamten Wein dieser Lagen selbst kommerzialisieren), stellt einen sehr glücklichen Startpunkt dar. Aber manchmal belohnt das Glück eben auch den Tüchtigen, auch wenn das sicher keine Regel ist.

Wer zusätzlich die Stimme bekannter Weinkritiker für die Entfachung seines Interesses benötigt, verweise ich auf das nachvollziehbare Statement Bettanes, nach dem bei Liger-Belair die Resultate des Jahres 2002 denen der erfahrensten Domänen gleichkommen. "[Die Weine] besitzen große Persönlichkeit, indem sie Kraft, Eleganz und Transparenz in der Definition ihrer Herkunft miteinander verbinden." Dans ce cas, d'accord, M. Bettane! Alle Weine werden in OHK des Château geliefert.


 Die Weine



Vosne-Romanée 'La Colombière', A.C. 2002
Pinot Noir; Rebalter: 40 J. und 60-80 Jahre; Boden: bräunlicher Kalkstein, Kiesel, feines Geröll; Ausbau in 45% neuem Holz; weder geschönt noch gefiltert; Maturität: nach 4-5 Jahren (bis 10 Jahre+).

Natürliche 12.9° Alkohol, Ausbau in ca. 45% neuem Holz (Francois Frères). Der Boden ist hier tonhaltig, deshalb wirkt der Wein besonders am Anfang des Ausbaus stets relativ kompakt. Der Ausbau auf den eigenen Hefen und ohne jede Beeinflussung hat ihn dann sehr schön verfeinert und aromatisch reicher gemacht. Sehr breitschultriger und zugleich purer Village von wundervoller Balance zwischen Alkohol und Säure. 2002 ist ein großes Jahr und die fähigsten Winzer haben außerordentliche Weine auf jedem Level erzeugt. Bettane hat diesen Wein in 6/2003 besonders herausgestellt (coup de coeur), aber dabei eher den nachfolgenden Clos du Château beschrieben. Das kann schon mal passieren, wenn man so viele Weine in so kurzer Zeit verkostet...

Clive Coates, The Vine 2/2004, 18.5/20
"Gute Farbe. Volle, duftige Nase. Gutes Gewicht und Tiefe des Geschmacks. Noch recht jugendlich. Voll im Geschmack. Sehr reintönig in der Frucht. Exzellente Intensität. Klassisch und harmonisch im Geschmack. Äußerst köstlich. Lang. Sehr fein für einen Village."
 
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Zu Wildgeflügel
 

 

Vosne-Romanée 'Clos du Château' Monopole, A.C., 2001/2002
Bräunlicher Kalkstein, Kiesel, feines Geröll; Ausbau in 55% neuem Holz; weder geschönt noch gefiltert; Maturität: nach 4-5 Jahren (bis 10 Jahre+).

2002: 13.2° natürlicher Alkohol. In 55% neuem Holz ausgebaut. Von kalkreicherem Boden stammend, was dem Wein Mineralität und damit eine schöne Rasse gibt. Ebenfalls wundervoll pur im Ausdruck mit einer ggü. dem Colombière überlegenen Eleganz und Finesse. Erstaunliche Tiefe des Geschmacks für einen Villagewein. Ein absolut herrlicher Vosne-Village, der ' singt', wie man in Burgund sagt. Ich liebe diesen Wein sehr.

Allen Meadows, Burghound. Issue 9, 88-91 über den 2001er (Faßprobe 11/02)
"Die wunderschön eleganten und reintönig-frischen roten Pinot Aromen führen zu einem mittelgewichtigen, zurückhaltenden, intensiv linearen Geschmack und einem komplexen, feinen und zugleich strengen Finale. Der Wein braucht deutlich noch einige Monate an Alterung im Faß [ja!], aber die deutliche Mineralität des Weines ist eine wunderbare Ergänzung zur durchgehenden Tiefe des Extrakts."
 
Allen Meadows, Burghound. Issue 13, 88-91 über den 2002er
"This delivers striking quality for its level and is highly recommended."
 

 

Vosne-Romanée 1er Cru 'Les Chaumes', A.C., 2002
Bräunlicher Kalkstein, Kiesel, feines Geröll; Ausbau in 100% neuem Holz; weder geschönt noch gefiltert; Maturität: nach 6-7 Jahren (bis 15 Jahre+).

13.4° natürlicher Alkohol. In 100% neuem Holz ausgebaut. Die Rebzeilen haben eine privilegierte Lage direkt ggü. dem Kreuz von La Tâche. Dies ist ein Wein, der die Breitschultrigkeit des Colombière mit der überlegenen Distinktion des Clos du Château vereint ("une mixture entre les deux vins précédents et encore plus", so absolut zutreffend Louis-Michel) und sich insofern seinem Status als 1er Cru würdig erweist. Natürlich ist dieser Chaumes wie alle Weine Louis-Michels nicht holzgeprägt im Geschmack wie es noch immer die Beispiele Arnoux' und Méo-Camuzets, besonders jung, aus dieser Lage sind.

Guide des sommeliers 2004, 18/20 über den 2001er
"Rubin-kirschfarben mit bläulichen Reflexen. Die nase verströmt Noten von roten Früchten (Himbeere), die von großer Reintönigkeit sind. Der Geschmack ist elegant und köstlich und mit fetten und reifen Tanninen ausgestattet, die ohne jedes Übermaß sind. Das Finale ist lang und ausgewogen."
 
Clive Coates, The Vine 03/03, 17.5/20
"Sehr gute Farbe. Wunderbare Nase. Very cool. Schön zusammengesetzt. Mittelvoller Körper. Sehr gute Tannine. Sehr guter Biß. Frisch, konzentriert, harmonisch und wirklich sehr tiefgründig für einen Chaumes. Ziemlich wunderbar in der Frucht. Sehr komplex."
 

 

Vosne-Romanée 1er Cru 'Aux Reignots', A.C., 2002
Die Liger-Belair-Parzelle ist ein Querschnitt durch diese große Lage, indem sie von der Spitze bis zum Fuß verläuft. Bräunlicher Kalkstein, Kiesel, feines Geröll; Ausbau in 100% neuem Holz; weder geschönt noch gefiltert; Maturität: nach 6-7 Jahren (bis 15 Jahre+).

Die Familie Liger-Belair besitzt bei diesem 1er Cru knapp 45% des Bodens (0,7 ha). Es handelt sich um einen sehr alten Rebbestand von 60-80 Jahren. 13.6° natürlicher Alkohol. In 100% neuem Holz ausgebaut. Reignots ist neben dem Cros Parentoux und dem Malconsorts das größte 1er Cru-Terroir in Vosne. Dieser Wein explodiert in der Nase mit Noten von Schokolade, Mineralien und gewürztem Brot. Der Körper ist samtig und voll, unerhört reich in seiner Aromatik. Die Dichte des Weines verrät das große Jahr, die Tannine erscheinen samtig-seidig. Der längste Wein bis dato in Louis-Michels Keller. 3x verkostet mit konsistenten Noten. Auch hier wieder nichts von den 100% neuem Holz zu spüren, in dem der Wein ausgebaut wird, so gewaltig ist der Stoff. Ein magischer Wein aus einem großen Jahr!

Clive Coates, The Vine No 229, 02/2004 19/20
 

 

La Romanée Grand Cru, A.C., 2002
Kalksteingeröll auf Kalkstein-Mergel-Untergrund auf 275-300m Höhe und in mittlerer Hanglage. Ausbau in 100% neuem Holz; weder geschönt noch gefiltert; Maturität: nach 8-10 Jahren (bis 30 Jahre+).

Mit 0,84 ha ist dieser Grand Cru, der sich im Monopolbesitz der Familie Liger-Belair befindet, die kleinste Appellation Frankreichs. Romanée-Conti, nur einen schmalen Pfad von La Romanée getrennt, ist mit 1,81 ha die zweitkleinste AOC Frankreichs. Vom La Romanée werden durchschnittlich nicht mehr als 350 Kisten Wein produziert. La Romanée, seit 1827 im heute gültigen Umfang existierend, gehört seit 1815 der Familie Liger-Belair, es war der Priester und spätere Kanonikus Just Liger-Belair, der 1933 nach Erbproblemen innerhalb der Familie sowie ökonomischen Problemen infolge der Depression nach dem 1. Weltkrieg in einer Versteigerung wenigstens La Romanée für die Familie rettete (La Tâche, ebenfalls im Besitz der Liger-Belairs, ging damals an Edmond Gaudin de Villaine und Jacques Chambon von der Domaine de la Romanée-Conti über). Pächter wurde die Familie Forey (Jean und später Sohn Régis), kommerzialisiert wurde La Romanée von verschiedenen Négoce, zuletzt von Bouchard Pére & Fils, die noch bis 2006 50% der Ernte unter ihrem Namen vertreiben werden. Der Besitz ging nach dem Tod Just Liger-Belairs in 1991 über an seinen Neffen, den General (bereits der erste Liger-Belair, Louis Liger-Belair war General unter Napoleon gewesen) und Grafen Henri Liger-Belair. Es ist dessen Sohn Louis-Michel , der ab dem Jahrgang 2002 für die Weinbereitung von La Romanée verantwortlich zeichnet. -

Noch immer findet man in Weinzirkeln endlose Diskussionen, in denen die Qualität dem Terroir entgegengestellt wird und umgekehrt. Diese Diskussionen sind äußerst seltsam. Wer den Punkt verstehen will, der nehme den Unterschied zwischen Aux Reignots und La Romanée. Der 1er Cru Reignots liegt direkt oberhalb des Grand Cru La Romanée, das sind wenige Meter Luftlinie Unterschied. Beide Weinberge werden mit derselben Passion und Ambition von Louis-Michel bewirtschaftet, sie erfahren dieselbe Sorgfalt im Keller - die Weine sind jedoch völlig verschieden. Ist es denn so schwer zu verstehen, daß die Natur (glücklicherweise) großartige Vielfalt hat walten lassen und daß diese Vielfalt, wenn man sie in Weinberg und Keller respektiert, eben in vollkommen unterschiedliche Weine mündet, von denen jeder über großartige Eigenschaften verfügt, wenn das Terroir es hergibt? Übrigens genau das ist die Faszination und die Größe Burgunds.

Was macht den Unterschied zwischen dem grandiosen Aux Reignots und dem Emotionen freisetzenden La Romanée aus? 1. Der Charakter des Stoffes, der beim La Romanée von einer unglaublichen Noblesse ist. 2. Die unvorstellbare Eleganz und die superlative aromatische Intensität. 3. Die Persistenz des Weines, der über 20 sec die Sinne gefangen hält. Und 4. Eine Harmonie, über die nur die allergrößten Weine der Welt verfügen. Ich habe den allergrößten Respekt vor der Arbeit, die Louis-Michel hier geleistet hat, indem er makellos transparent dieses phänomenale Terroir enthüllt hat. (3x verkostet mit konsistenter Einschätzung)

Clive Coates, The Vine No 229, 02/2004 20/20
"Full colour. Marvellous fruit. Very, very concentrated and multi-dimensional. Great class. Very profound indeed and excellently balanced. Outstanding pure Pinot complex flavours. Real vigour and intensity. Absolutely brilliant! Well nigh perfect. A great wine."
 
Jancis Robinson, purple pages 02/04 19/20 Höchstbewertung Rotweine, Jahrgang 2002
"Headily scented. Very correct and round and powerful. Wonderfully broad and dense, and yet with great transparency, too. Truly a good adress!"
 
 
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